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Web 2.0 – Welch ein Katzenjammer im Musikbereich!

Dienstag, 25.08.2009

Intro
Wie sah die Welt vor 10 Jahren aus. Sie war in der Musik-Branche noch in Ordnung. Die CD-Verkäufe waren zwar nicht mehr so üppig, aber um das Überleben brauchte sich niemand zu sorgen.
Ich war damals als Musik-Journalist mit einem eigenen Magazin am Start und wunderte mich bereits damals über banale Dinge wie z.B., dass die Promotion-Kommunikation sich nur ganz schwer auf e-Mails statt der üblichen Fax faxe umstellen wollte.
Gerade, wenn es darum ging, Promotion-CDs anzufordern, hieß es stets, „nee, da brauchen wir etwas ordentliches auf Papier!“. Im Vergleich zur verschlafenen Download-Problematik sicher nur ein Bruchteil der Gesamtproblematik, aber gerade an dem Beispiel ist es sehr schön plakativ darzustellen, dass nicht nur falsche Visionen verfolgt wurden, sondern dass auch vor allem im Detail schlecht bis gar nicht gearbeitet wurde.
Heute ist von neuen Visionen nichts mehr zu sehen, vielmehr ist man auf Schadensbegrenzung aus. Dabei verpasst man seit 1 bis 2 Jahren wieder einen Trend, der eigentlich nicht zu verpassen ist.

Center
Gerade bei einem hochemotionalen Produkt wie Musik ist das Thema Web 2.0 die ideale Basis, um nicht mehr in Tonträgern zu denken, sondern in Zielgruppen.
Hier ein Beispiel, welches den ganzen Katzenjammer sichtbar macht. Nehmen wir die norwegische Girl-Band „Katzenjammer“. Ich weiß, ein grandioses Wortgespiel!!! Ihre neuartige Musik mit Einflüssen aus Polka, 20er Jahre Kirmesmusik und Pop, wurde mir auf dem diesjährigen Roskilde Festival von meinem guten Kollegen Dietmar „Sir Didimus“ Otto (nicht verwandt oder verschwägert) auf altbekannte Weise vorgestellt. „Du, ich habe von einem Norweger gehört, dass man Katzenjammer unbedingt gesehen haben muss!“ Hier der Link, der belegt, dass man Katzenjammer wirklich in Augenschein genommen haben sollte: Pics
Diese Art der Mund-zu-Mund Propaganda macht seit fast 40 Jahren (seit Woodstock) Megastars, genauso wie das „zufällige Kennenlernen“ von Bands auf Festivals, die auf Bühnen spielen, die einfach „auf dem Weg liegen.
So weit so gut. In ferner Vergangenheit war es dann so, dass man Dank fehlendem Internet keine Chance auf weitere Infos geschweige denn auf Tonträger der neu kennen gelernten Bands hatte.
Als Beleg gilt die völlig unbekannte Doom-Metal-Band Saturnus aus Dänemark, für deren Tonträger ich seinerzeit Mitte der 90er extra nach Dänemark gefahren bin, um sie dort für einen astronomischen Preis zu erstehen, nachdem ich sie ebenfalls auf dem Roskilde Festival gesehen habe. Neben einem investierten Lebenstag und geschätzten 250 Mark für 3 CD inkl. Reisekosten (Fähre, Kraftstoff, Verpflegung), konnte ich die CDs mein Eigen nennen. Dass der emotionale Faktor des CD-Eigentums ein Vielfaches seines realen Wertes ausmachte, brauche ich sicher nicht betonen.
Und heute? In einer Zeit in der illegale Downloads die Welt bestimmen, liegt die Musik-Branche am Boden! Welch ein Katzenjammer.
Aber warum, frage ich mich bei den Möglichkeiten. Nach meiner Heimkehr vom diesjährigen Roskilde Festival führte mich mein erster Weg auf die www.myspace.com
-Seite der Band: http://www.myspace.com/katzenjammerne und was konnte ich direkt hören? – sämtliche aktuelle Songs der Band. Zwar als gekürzte Snippet-Versionen, aber mein Akut-Bedarf wurde postwendend gedeckt. Zudem konnte ich mir die Videos der Band anschauen oder die Bilder der schönen Skandinavierinnen bewundern.
Soweit so, so gut. Als kaufwilliger Kunde will ich aber mehr und bewege mich zum e-Commerce Primus Amazon und finde natürlich auf Anhieb die CD, mit 13,99 nicht garade im Angebot, aber ein gefühlt fairer Preis. Offizieller VÖ ist allerdings erst der 21.8.09. Mist, als CD-Sammler muss ich wohl doch ganz schön lange warten in dieser kurzlebigen Welt. Nächster Schritt, ab zu iTunes. Und siehe da, hier ist „le pop“, so heißt das aktuelle Debut-Album von Katzenjammer, sofort download bereit.
Trotzdem warte ich, bis der 21.8. näher rückt und bestelle die CD dann doch als „Hardcopy“ bei Amazon. Leider signalisiert Amazon mir, dass die CD nicht mehr verfügbar ist (?!) und ich lade die CD voller Vorfreude dann doch bei iTunes runter. Nach gefühlten 90 sek ist zumindest der virtuelle Part des Albums in meinen Besitz übergegangen. Ich bin zufrieden! Amazon schickt mir am 24.8. dann aber doch unaufgefordert die nicht mehr verfügbare CD (nochmals ?!). Als Sammler denke ich aber nicht darüber nach, dass ich zu den 8.99 für iTunes die Kosten der Amazon-CD auf der Uhr habe. In bin schließlich wirklich zufrieden und im Vergleich zu Saturnus wirklich günstig davon gekommen.

Schlauer Schluss
Als Musik-Konsument gehöre ich sicher in die Kategorie Junkie und bin nicht mit den Maßstäben des potentiellen Durchschnittskunden zu bewerten. Allerdings lassen sich mittels solcher Extreme eindeutige Ableitungen schaffen.
Warum gelingt es der Musikbranche nicht, ihr Produkt nicht mehr als Tonträger zu sehen, sondern als ganzheitliches Entertainment-Produkt. Megastars wie Madonna, die statt eines Labels mittlerweile einen Konzertveranstalter als direkten Partner hat oder auch Rammstein, die stets mehr als Musik gemacht haben, sondern eher eine Art Musical-Performance auf die Bühne bringen, haben es bereits verstanden. Trotzdem zieht der Hauptteil der Branche nicht mit. Es werden zwar hier und da die Fans mit in die Homepages der Künstler eingebunden (gähn), dass das aber übergreifend mit einer zentralen Strategie gesteuert wird, ist absolut die Ausnahme. Bereits 1925 wurde über das Spielen neuer Songs über das damals moderne Medium Radio folgendes berichtet: „The public will not buy songs that it can hear almost at will by a brief manipulation of the radio dials (by Record Label Executiveon FM Radio).
Knappe 100 Jahre später und um die Erfahrung, dass diese These nicht eingetreten ist, machen die Musik-Verantwortlichen noch immer den Fehler, statt aktiv die Musik-Fans als Zielgruppe zu integrieren, lieber passiv über illegale Downloads zu klagen. Welch ein Katzenjammer, dass die großartigen Möglichkeiten des Web 2.0 nicht genutzt werden, wobei ich noch nicht einmal welche außer MySpace genannt habe. Und das, obwohl man im Musikbereich nichts mehr zu verlieren hat.
Ziel muss es sein, ein Musik-Produkt zu kreieren, welches den Fan vollumfänglich zufriedenstellt. Nicht nur mit einem Tonträger als Produkt, sondern mit Entertainment als Basis. Dann werden auch weiterhin Umsätze und Erträge mit dem Produkt Musik realisierbar sein. Über die MySpace Seite von Katzenjammer wurde ich soeben informiert, dass ich am 25.9. zum Reeperbahn Festival gehen muss, dort ist dann der bereits o.g. Katzenjammer zu beklagen.

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