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Die neuen Trendlinien: Wohin der Mode-Commerce schreitet

Mittwoch, 13.03.2013

Zalando & Co sind für Rene Otto von Rock n Shop ein „formidables Beispiel“ dafür, was passiert „wenn man initial genug Marketingbudget einsetzt um die Schwelle zu erreichen, wo es sich lohnt um profitabel zu arbeiten.“ Otto stellt Zalando Bestnoten aus: Sie arbeiten „operativ excellent, beherrschen alle Online-Absatzkanäle und diversifizieren sich zunehmend“, schwärmt der Mann von Rock n Shop.
Der „Proof of Concept und Market“ ist erbracht, sagt Otto. Somit sei der Zeitpunkt gekommen, um nicht nur im angestammten Bereich zu agieren sondern sich breiter aufzustellen. Die Folge: Multibyer kommen ins Visier, die Reichweiten erhöhen sich.

Während noch vor einigen Jahren Suchmaschinen für Mode wie etwa TheLabelFinder.com eingesetzt wurden, um bestimmte Labels in verschiedenen Städten ausfindig zu machen, inszeniert sich die Mode heute selbst. Trend- und Themenwelten werden in Kampagnen präsentiert, und nach dem Vorbild von H&M über alle Kanäle vermarktet, erklärt Starken die Veränderung hin zum Multi Channel Retailing. Allerdings gelte dies insbesondere für die Bestandskundenpflege, schränkt Otto ein. Ansonsten sei es häufig „egal woher die Ware kommt, Hauptsache sie kommt“, die Händler seien austauschbar, argumentiert Otto.

Hier spielen auch der Bereich des Mass Custoomization und die Selbstverwirklichung der Nutzer eine wichtige Rolle. Denn: „Der klassische Mann aus den 1980ern, der anzog, was seine Frau ihm nahelegte, hat ausgedient“, sagt Otto, selbst Modemuffel wollten heute etwas eigenes.

Während der kleine Nachwuchsdesigner früher vom regionalen Umfeld seines Stadtviertels abhängig war, kann er heute seine Fashion-Produkte über Social Media in die Welt hinaus tragen. „Er profitiert von wesentlich größeren Reichweiten“, unterstreicht Otto den besonderen Stellenwert des Mottos „Act like a person like me“ für die Zielgruppenerreichung. Einige Modehändler bieten ihren Kunden mittlerweile an, im Online-Shop Outfits zusammenzustellen und sie anschließend auf Facebook von Freunden bewerten zu lassen.

Nach der Erfahrung von des Rock n Shop Inhabers nimmt dieser Trend deutlich zu, gerade über Marktplätze wie DaWanda, wo Kunden zu Produzenten werden und Selbstgenähtes zum Verkauf anbieten, werden neue

Potenziale ausgeschöpft.
Demgegenüber werden die klassischen Brands, besonders Designermode und Markenlabels online eher über den Preis vermarktet. „Hier geht es um günstige und komfortable Bedarfsdeckung“. Die werde crossmedial vernetzt und sowohl in Printmedien wie auch im TV gepusht.

Die „Klaviatur der Onlinewerbekanäle“ sei sehr breit geworden, klagt Otto. Während man vor fünf Jahren mit einem Fachmann agieren konnte, braucht man heute fünf. Und um auf Reichweiten zu kommen muss der Online-Händler auf allen Kanälen spielen. Zum einen muss er Spezialisierung bedienen und das teils in einer Nische, was wiederum eigentlich gegen die Reichweite spricht. Von einem „gordischen Knoten“ spricht Otto daher, besonders im Modebereich. Denn anders als in anderen Sortimenten sei dort der Erfolgsfaktor Retoure sehr entscheidend. „Dieser kann den Erfolg geradezu verhindern“, fürchtet Otto.

Aber das ist noch nicht alles. Denn neben den Onlinewerbekanälen müssen auch noch die Produktdarstellung und der Kundenservice beherrscht werden. Für andere Branchen sei das nicht so wichtig, „aber die haben auch nicht die Margen“, gesteht Otto mit einem Schmunzeln ein.
Wenn er an die Zukunft denkt, glaubt Rene Otto, dass ein Schuss vor den Bug der etablierten Mode Commerce Anbieter einiges bewirken wird. Nämlich, „dass die Ware besser präsentiert und schneller zugestellt wird und die Retouren als Teil des Geschäftsmodells akzeptiert werden“, so Otto. Eine weitere wünschenswerte Folge wäre zudem, dass dann nicht nur über den Preis sondern auch über den Service vermarktet wird, hofft Otto. „Wenn es gelingt, dem Kunden zu vermitteln, dass das Zusenden der Waren und das Vor-Auswählen durch geeignete technische Mittel ein Service ist, hat der Online-Händler gegenüber dem stationären Handel einen Vorteil“, bringt es Otto auf den Punkt.

Denn der Nutzer müsse lernen zu akzeptieren, dass ein gewisses Servicelevel seinen Preis hat. Noch immer gebe es in puncto Preis ein falsches Verständnis in Deutschland. „Alles muss billig sein und genau dies macht den deutschen Markt so schwer“, klagt Otto. Ganz anders im europäischen Ausland, dort hätten sich die Nutzer viel besser auf den Web-Commerce eingelassen. „Für das Internet eine schwere Hypothek, dass man vor 15 Jahren alles auf billig angepriesen hat“.

Zwar stuft der Mann von Rock n Shop etwa Augmented Reality als eine „relevante künftige Größe“ ein, aber sowohl die Zielgruppe wie die Technik seien „noch nicht so weit ausgereift“, so seine Einschätzung.

Bei Rock n Shop, dessen Sortiment sich an eine preissensible Zielgruppe richtet, hat Rene Otto festgestellt, dass bei Preissenkungsaktionen sogleich ein deutlicher Push beim Verkauf der Artikel stattfindet, ganz unabhängig von Tageszeit, Wetter oder anderen äußeren Faktoren. Die Lehre für Shopbetreiber Otto: Solche Aktionen nicht exponentiell einsetzen, so dass die Kundschaft regelrecht darauf wartet. Erstrebenswert sollte eher sein, dass nicht der Preis sondern das Gesamtpackage entscheidet, wünscht sich Otto für sich und die gesamte Mode Commerce Branche. „Dann geht es in die richtige Richtung und stellt eine gute Basis dar, um Erfolg zu haben“, glaubt Otto.

Quelle: www.ibusiness.de von Markus Howest

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